Coco Chanel starb am 10. Januar 1971. Zu diesem Zeitpunkt war das Haus Chanel bereits sicher. Es gehörte nicht mehr ihr. Sie hatte ihre Couture-Marke bereits 1954 an Pierre Wertheimer verkauft. Dies war keine zufällige Transaktion. Es war das letzte Teil eines größeren Puzzles, mit dem sie nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hatte.
Wertheimer war einer der überlebenden Partner ihres Parfümgeschäfts. Er verfügte über die finanzielle Unterstützung, die sie brauchte, um in die Modewelt zurückzukehren. Während des Krieges war die Landebahn für sie gesperrt. Sie brauchte Kapital, um wieder zu eröffnen. Also machte sie einen Deal. Sie bekam die Nadeln und Schaufensterpuppen wieder in die Hände. Doch die Eigentümerstruktur veränderte sich. Das Couture-Haus verließ ihre Hände. Es blieb im Besitz der Familie Wertheimer.
Diese Vereinbarung bedeutete, dass die Marke nicht zerfiel, als Chanel im Alter von 87 Jahren verstarb. Es kam nicht zu einer Nachlassauktion. Es kam nicht zu einem Rechtsstreit. Der Besitz blieb unverändert. Pierre Wertheimer behielt die Schlüssel. Das Erbe blieb erhalten.
Warum ist das wichtig? Denn die meisten Modehäuser zerfallen oder wechseln gewaltsam den Besitzer, nachdem ihre Gründer gestorben sind. Chanel tat es nicht. Die Trennung der kreativen Vision von der finanziellen Kontrolle erfolgte Jahrzehnte vor ihrem Tod. Dadurch konnte sie sich auf das Design konzentrieren, während Wertheimer sich um die geschäftliche Seite kümmerte. Es ist ein Modell, das auch heute noch Luxus definiert.
Der Verkauf war Teil eines Deals, den sie mit Wertheimer abgeschlossen hatte, um finanzielle Unterstützung für ihre Rückkehr ins Modegeschäft nach den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs zu erhalten.
Chanel kannte die Risiken. Sie kannte auch die Kosten, die es mit sich bringt, ohne finanzielle Mittel unabhängig zu bleiben. Sie entschied sich für Stabilität statt totaler Eigenverantwortung. Es war ein pragmatischer Schritt. Eines, das ihren Namen weiterleben ließ, ohne dass sie sich um die Bilanzen kümmern musste. Die bereits lukrative Parfümabteilung finanzierte das Couture-Revival. Die einmal verkaufte Couture-Marke sorgte für das Prestige. Die beiden Seiten stärkten sich gegenseitig.
Noch heute kontrolliert die Familie Wertheimer Chanel. Karl Lagerfeld, John Galliano und jetzt Virginie Viard haben alle unter dieser Struktur gearbeitet. Die Kreativdirektoren wechseln. Die Aktionäre nicht. Beim Überleben von Chanel geht es nicht nur um gutes Design. Es geht um einen Deal aus dem Jahr 1954. Ein Deal, der die Marke zusammenhielt, als Coco nicht da war, um sie zu leiten.
Wenn Sie also eine Chanel-Tasche kaufen, kaufen Sie nicht aus dem Nachlass eines Designers. Sie kaufen bei einer Familie, die schon früh erkannt hat, dass Kreativität Kapital braucht. Und Kapital braucht eine Geschichte. Chanel hatte beides. Der Rest ist Geschichte. Oder besser gesagt, Unternehmensgeschichte. Welches ist oft die langlebigere Art.
























